Private Künstlernachlässe im Land Brandenburg

Veranstaltungsreihe 2018: „wir erben – wir vererben“

 

 

 

 

Das „Kulturland Brandenburg“-Themenjahr 2018 „wir erben – Europa in Brandenburg. Brandenburg in Europa“ animierte uns in den Landkreisen (LK) Uckermark, Elbe-Elster und Potsdam-Mittelmark zu der Veranstaltungsreihe: „wir erben – wir vererben“. Die „Tournee“ bestand aus zwei Podiumsgesprächen und zwei Workshops. Wir suchten Austausch über den Zusammenhang von Werk-Dokumentation lebender Künstler und Nachlass sowie über Funktion und Sinn unserer Datenbank www.private-kuenstlernachlaesse-brandenburg.de

 

 

 

Die beiden Workshops fanden statt im Dominikanerkloster Prenzlau (LK Uckermark) und im Atelierhof Werenzhain (LK Elbe-Elster) – speziell für Künstler/innen, um sie für eine digitale Werk-Dokumentation mit dem von uns entwickelten Erfassungsmodul zu animieren. Durch unsere Präsenz auf der Künstlermesse „ART Brandenburg“ (2015 und 2017) kennen wir die Hemmschwelle der Künstler/innen, den ersten Schritt zur digitalen Sicherung ihres Werkes selbst zu gehen. „Todesengel“ begegnete uns als geflügeltes Wort. Beide Workshops zielten auf die Werkerfassung, die neben dem Überblick zu einzelnen Werkphasen die Künstler/innen auch für die Auswahl(!) sensibilisieren wollte. Für jeden stellen sich die gleichen Fragen: Wie „streue“ ich mein Werk, um es langfristig bewahrt zu wissen? Welche Museen sollte ich gezielt auf welche Werke aufmerksam machen, um den Bestand durch Schenkungen zu ergänzen? Was steht dem Kunsthandel uneingeschränkt zur Verfügung? Was möchte ich darüber hinaus verschenken – privat und gemeinnützig? Was sollte im Nachlass verbleiben und wer erhält ihn? ...

 

 

 

Deutlich wurde, dass die Positionen und Strategien der Workshop-Teilnehmer und Podiumsgäste unterschiedlich sind. Während einige, wie die uckermärkische Künstlerin, Irene Sohler (*1951), die verbleibende Lebenszeit ihrer künstlerischen Arbeit und der unmittelbaren Vermittlung durch Ausstellungen widmen will, erkennt Paul Böckelmann (*1952) die Verantwortung seinem Lebenswerk und seiner Familie gegenüber an. Als sein Freund, der Maler Hanspeter Bethke (1935–2018), verstarb, war ihm klar, er muss sich „bewegen“. Denn der Lebenspartner seines verstorbenen Freundes ist allein überfordert, was er im Podiumsgespräch in Finsterwalde (Sänger- und Kaufmannsmuseum, LK Elbe-Elster) ansprach – im Beisein des Kulturamtsleiters, Andreas Pöschl, und der Nachlasshalterin, Jana Zadow-Dorr, die den Nachlass ihrer Mutter, Gudrun Bröchler-Neumann (1937–2013), bewahrt und erfasst. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied unseres Vereins.

 

Um das WIE der Nachlass-Vermittlung ging es im zweiten Podiumsgespräch in Ferch (Museum der Havelländischen Malerkolonie, LK Potsdam-Mittelmark). Erfreulich war der Konsens zwischen den Beteiligten, Krystyna Kauffmann, Heinz H. Schmal und Karin Patzer, dass eine papierene Nachlass-Publikation die digitale Nachlass-Erfassung nicht ersetzen kann. Deutlich wurde auch: Kulturverwaltungen sind als Förderer gefragt. Denn sie sind mitverantwortlich, um private Künstlernachlässe als öffentliches Kulturerbe einer Region sichtbar werden zu lassen!

 

 

 

© Dr. Liane Burkhardt und Thomas Kumlehn, November 2018

 

 

 

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Podiumsgespräch „wir erben“, am 18. Oktober 2018, im Sänger- und Kaufmannsmuseum, Finsterwalde (v.l.n.r.): Paul Böckelmann, Jana Zadow-Dorr, Thomas Kumlehn, Andreas Pöschl, Foto: Cornell Dorr

 

Foto 2

 

Workshop „wir vererben“, am 28. Oktober 2018, Atelierhof Werenzhain, Blick in die Ausstellung „waschecht“: vorn Keramiken von Katrin Meißner, an der Wand Bilder von Franka Just; (v.l.n.r.): Ursula Bierther, Angela Willeke, Iris Stöber, Thomas Kumlehn, Karl-Heinz Zahn, Foto: Jana Zadow-Dorr